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Wenn Diamanten auf dem Friedhof beerdigt werden müssen…

Immer skurriler werdende Bestattungsarten und die deutschen Bestattungsgesetze
19.02.2009 11:34:08 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

„Ein Volk wird so beurteilt, wie es seine Toten bestattet.“ (Perikles, um 429 v. Chr.) – Jahrhunderte lang gab es in Deutschland eine Traditionelle Trauerkultur, die vom christlichen Glauben geprägt war. Eine Feuerbestattung war vor allem für die kath. Kirche verpönt. Doch seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts unterliegt die Trauerkultur einem erschreckenden Wandel. Wie wird man uns wohl in Zukunft beurteilen?

Seit den 80er Jahren steigt der Anteil an Feuerbestattungen in Deutschland stetig an. Selbst in kleineren, ländlichen Städten liegt er teilweise schon bei 50 % und in den Großstädten sind es oft schon 60 % und mehr. Das dürfte zum einen an den teilweise recht teuren Friedhofsgebühren liegen und zum anderen an dem Wunsch nach anonymen Bestattungsarten und der daraus resultierenden Tatsache, dass man dabei kein Grab im eigentlichen Sinne mehr hat, das über Jahrzehnte mit großem Aufwand und viel Geld gepflegt werden muss.

Zudem eröffnete die Feuerbestattung im Laufe der letzten 15 – 20 Jahre eine Vielzahl an Bestattungsvarianten. Das geht heute über das Verstreuen der Asche, Wald- und Wiesenbestattungen bis hin zur Weltraumbestattung und zur Herstellung eines Diamanten aus der Totenasche. Doch nicht alles, was beispielsweise in einigen unserer diesbezüglich liberaleren Nachbarländern erlaubt ist, ist auch in Deutschland legal.

In Deutschland gibt es kein einheitliches Bestattungsgesetz, da dies jeweils Ländersache ist. Und so hat bei uns jedes Bundesland sein eigenes Bestattungsgesetz. Doch in einem Punkt sind sich alle einig: Es herrscht in Deutschland Bestattungszwang und damit auch Friedhofszwang. Das gilt auch für Feuerbestattungen. Jeder Leichnam, auch die Totenasche, muss auf einem Friedhof beigesetzt werden. Ausnahmen davon sind lediglich die Bestattungen der Asche auf See (außerhalb der Hoheitsgewässer der Bundesrepublik Deutschland) oder die so genannten Waldbestattungen in einem ausgewiesenen FriedWald oder RuheForst.

Nicht gestattet, nach allen deutschen Bestattungsgesetzen, ist es die Urne zu Hause aufzubewahren, im eigenen Garten zu beerdigen oder einen Teil der Asche in einem Amulett aufzubewahren um dieses als Schmuck zu tragen.

In anderen Ländern gilt Totenasche nicht mehr als Verstorbene(r) und man kann darüber frei verfügen. Das kann dann, wie in der Schweiz erlaubt und machbar, dazu führen, dass man die Totenasche in der Schweiz zu einem Diamanten pressen lassen kann und so die oder den Verstorbene(n) als Schmuckstück (zum Beispiel auf einem Ring) immer bei sich tragen kann. Ein solcher Wunsch wird in den letzten Jahren auch vermehrt von einigen Angehörigen in Deutschland geäußert. Doch dies ist nach den deutschen Bestattungsgesetzen nicht gestattet.

Zwar darf die Totenasche in die Schweiz ausgeführt werden und unterliegt dann dort auch den Schweizer Gesetzen und Bestimmungen. Somit ist es auch vollkommen legal, die Asche dort zu einem Diamanten pressen zu lassen. Das Problem liegt dann darin, dass dieser Diamant, zurück nach Deutschland eingeführt, wieder den Deutschen Bestattungsgesetzen unterliegt, da er die Totenasche einer/eines Verstorbenen enthält bzw. daraus gefertigt wurde.

In einer Stellungnahme an Verband der Deutschen Bestatter teilte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW auf Anfrage mit: „Wird Totenasche in andere Länder ausgeführt, unterliegt sie den dortigen gesetzlichen Bestimmungen. Bei der Herstellung von Diamanten durch Pressen von Totenasche handelt es sich um eine physikalische Behandlung, aber nicht um eine Bestattung im Sinne des BestG NRW. Wird Totenasche – auch in Form eines Diamanten – nach Nordrhein-Westfalen eingeführt, unterliegt sie der Bestattungspflicht.

In Folge dessen müsste ein solcher Diamant (nach dem Willen des Gesetzgebers wegen des Friedhofszwangs) auf einem Friedhof beigesetzt werden!

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