Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Tipps & Tricks

Wenn Diamanten auf dem Friedhof beerdigt werden müssen…

Immer skurriler werdende Bestattungsarten und die deutschen Bestattungsgesetze

„Ein Volk wird so beurteilt, wie es seine Toten bestattet.“ (Perikles, um 429 v. Chr.) – Jahrhunderte lang gab es in Deutschland eine Traditionelle Trauerkultur, die vom christlichen Glauben geprägt war. Eine Feuerbestattung war vor allem für die kath. Kirche verpönt. Doch seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts unterliegt die Trauerkultur einem erschreckenden Wandel. Wie wird man uns wohl in Zukunft beurteilen?

Seit den 80er Jahren steigt der Anteil an Feuerbestattungen in Deutschland stetig an. Selbst in kleineren, ländlichen Städten liegt er teilweise schon bei 50 % und in den Großstädten sind es oft schon 60 % und mehr. Das dürfte zum einen an den teilweise recht teuren Friedhofsgebühren liegen und zum anderen an dem Wunsch nach anonymen Bestattungsarten und der daraus resultierenden Tatsache, dass man dabei kein Grab im eigentlichen Sinne mehr hat, das über Jahrzehnte mit großem Aufwand und viel Geld gepflegt werden muss.

Zudem eröffnete die Feuerbestattung im Laufe der letzten 15 – 20 Jahre eine Vielzahl an Bestattungsvarianten. Das geht heute über das Verstreuen der Asche, Wald- und Wiesenbestattungen bis hin zur Weltraumbestattung und zur Herstellung eines Diamanten aus der Totenasche. Doch nicht alles, was beispielsweise in einigen unserer diesbezüglich liberaleren Nachbarländern erlaubt ist, ist auch in Deutschland legal.

In Deutschland gibt es kein einheitliches Bestattungsgesetz, da dies jeweils Ländersache ist. Und so hat bei uns jedes Bundesland sein eigenes Bestattungsgesetz. Doch in einem Punkt sind sich alle einig: Es herrscht in Deutschland Bestattungszwang und damit auch Friedhofszwang. Das gilt auch für Feuerbestattungen. Jeder Leichnam, auch die Totenasche, muss auf einem Friedhof beigesetzt werden. Ausnahmen davon sind lediglich die Bestattungen der Asche auf See (außerhalb der Hoheitsgewässer der Bundesrepublik Deutschland) oder die so genannten Waldbestattungen in einem ausgewiesenen FriedWald oder RuheForst.

Nicht gestattet, nach allen deutschen Bestattungsgesetzen, ist es die Urne zu Hause aufzubewahren, im eigenen Garten zu beerdigen oder einen Teil der Asche in einem Amulett aufzubewahren um dieses als Schmuck zu tragen.

In anderen Ländern gilt Totenasche nicht mehr als Verstorbene(r) und man kann darüber frei verfügen. Das kann dann, wie in der Schweiz erlaubt und machbar, dazu führen, dass man die Totenasche in der Schweiz zu einem Diamanten pressen lassen kann und so die oder den Verstorbene(n) als Schmuckstück (zum Beispiel auf einem Ring) immer bei sich tragen kann. Ein solcher Wunsch wird in den letzten Jahren auch vermehrt von einigen Angehörigen in Deutschland geäußert. Doch dies ist nach den deutschen Bestattungsgesetzen nicht gestattet.

Zwar darf die Totenasche in die Schweiz ausgeführt werden und unterliegt dann dort auch den Schweizer Gesetzen und Bestimmungen. Somit ist es auch vollkommen legal, die Asche dort zu einem Diamanten pressen zu lassen. Das Problem liegt dann darin, dass dieser Diamant, zurück nach Deutschland eingeführt, wieder den Deutschen Bestattungsgesetzen unterliegt, da er die Totenasche einer/eines Verstorbenen enthält bzw. daraus gefertigt wurde.

In einer Stellungnahme an Verband der Deutschen Bestatter teilte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW auf Anfrage mit: „Wird Totenasche in andere Länder ausgeführt, unterliegt sie den dortigen gesetzlichen Bestimmungen. Bei der Herstellung von Diamanten durch Pressen von Totenasche handelt es sich um eine physikalische Behandlung, aber nicht um eine Bestattung im Sinne des BestG NRW. Wird Totenasche – auch in Form eines Diamanten – nach Nordrhein-Westfalen eingeführt, unterliegt sie der Bestattungspflicht.

In Folge dessen müsste ein solcher Diamant (nach dem Willen des Gesetzgebers wegen des Friedhofszwangs) auf einem Friedhof beigesetzt werden!

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Diamant | Trauerdiamant | Totenasche | Bestattungspflicht | Bestattungszwang | Friedhofszwang | Bestattung | Beerdigung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

am 19.02.2009 12:07:41 (217.83.118.xxx) Link Kommentar melden
Auch der Tod und dass danach unterliegt bei uns doch eindeutig dem ökonomischen Gesetz der Anpassung an das "Billigste". Deshalb schießt eine Filiale nach der anderen des Billigbestatter: http://www.der-bi...tatter.eu/
aus dem Boden. Gerade mit der Zunahme der Verarmung weiter Bevölkerungskreise in Berlin ist "billig" wichtig. Und schließlich steht ja auch im Grundgesetz nicht, die "Würde des Toten ist unantastbar", sondern die Würde des Menschen. Nur was ist bitte die "Würde", die wir uns selber geben wollen oder können?
Alex Mais
am 19.02.2009 18:00:03 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Die Frage ist: Sind "Billigbestatter"/"Preiswertbestatter" wirklich preiswert oder nur billig in Lokvogelangeboten, die mit allen notwendigen Leistungen im Sterbefall dann doch nicht preiswert sondern richtig teuer sind?

Da wird auf der Website eines "Billigbestatters" geworben: "Für 375,-- € erhalten Sie eine komplette
Feuerbestattung
. Wir Überführen und
versorgen Ihren Verstorbenen..."
- Ja, wer zieht denn da noch die Hose mit der Kneifzange an und glaubt ernsthaft für 375,-- € ist da alles erledigt? Das deckt ja gerade einmal die Krematoriumskosten und vielleicht noch die Einsargung und Überführung (wie auch so im Beispiel genannt).

Aha - so heißt es dann auch gleich weiter: "Sie erledigen alle Behörden-Angelegenheiten und Formaliten..." Am besten bringen Sie auch ihren eigenen Sarg mit, sonst wirds nochmals teurer - oder wie?

Und gerade dies, die Behördengänge und Formalitäten, sind doch mit die wichtigsten (aber auch zeitaufwändigsten) Dienstleistungen im Angebot eines eines Bestatters. Wer glaubt denn ernsthaft, diese komplizierten Erledigungen im deutschen Paragraphen-Dschungel könnte die 85jährige Oma und Witwe des soeben verstorbenen Mannes selber machen? Und just werden natürlich auch diese Dienstleistungen angeboten. Was sie kosten wird wohlweislich verschwiegen.

Und schaut man sich die weiteren Angebote an, so ist auch da nicht alles enthalten. Doch dass erkennt der Laie natürlich nicht. Das böse Erwachen kommt mit der Endabrechnung, wenn alle Positionen mit aufgeführt sind, die zwar auch ausgeführt wurden aber im Lokvogel-Angebot gar nicht enthalten waren. Und dann, dann kommt am Ende womöglich auch noch die 19%ige Mehrwertsteuer aufgeschlagen. - Wie war das dann mit der kompletten Feuerbestattung für 375,-- €???

Wenns nur um den Preis geht: Lieber bei Zeiten bei mehreren Bestattern ein Angebot nach den eigenen Vorstellungen einholen und vergleichen, als dass am Ende "billig" nicht preiswert bedeutet und erst so richtig teuer wird...
am 19.02.2009 18:48:22 (217.83.118.xxx) Link Kommentar melden
Ich denke schon, dass es an der Würde des Menschen kratzen muss, dass er nicht mal eine Beerdigung sich mehr leisten kann und somit auch hier wie bei einem Fastfoodshop auf das Geld schauen muss, anstatt auf die Achtung der Würde des Menschen.
In Berlin, insbesondere im Bezirk Schöneberg, dem ehemaligen Sitz des regierenden Bürgermeisetrs können sich heute viele keine Beerdigung mehr leisten. Sie sterben schon vor Scham still und heimlich und natürlich alleine, ohne Begleitung. Begraben werden sie dann in der Urne, beim Vorgang des Verbrennens werden dann noch die "künstlichen Gelenke" gesammelt und dem Schrotthändler angeboten.
Billig muss es sein, die Ausbildung, die Arbeitsstunde, der Tod und die Beerdigung.
Qua vadis, würden die alten Römer da fragen.
Ja, wohin gehen wir nur in diesem Land?
Alex Mais
am 16.11.2009 09:59:10 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Was die Friedhöfe anbelangt genau umgekehrt. Das liegt daran, dass die Feuerbestattung hier vor (gebietsbedingt) ca. 12 - 15 Jahren anfing drastisch anzusteigen. Als (mit) hauptsächliche Ursache war die imense Preisentwicklung für Grabstellen und Beerdigungsnebenkosten der Friedhöfe. Heute liegen auf fast allen Friedhöfen große Flächen brach. Die Folge ist natürlich dann auch, dass die Friedhofshaushalte ins Defizit abrutschen, was dem Erscheiningsbild der Friedhöfe manchmal mehr als deutlich anzusehen ist.

Gesamt gesehen dürften wir hier in Deutschland an die 50 % Feuerbestattungen haben. In manchen Städten geht dies sogar bis deutlich über 80 %. Es gilt dabei überwiegend: Je größer die Städte, je höher der Anteil der Feuerbestattung - und umgekehrt. Allerdings bestätigen hier auch schon mal Ausnahmen die Regel...

Sehen kann man dies auch deutlich, dass in den letzten Jahren die Krematorien "wie Pilze aus dem Boden schossen". Und alle haben genug zu tun. Der daraus resultierende Preiskampf der Krematorien untereinander kommt letzten Endes dem Endverbraucher, also den Angehörigen zu Gute.

Zudem machen den Friedhöfen so einige "neue" innovative Bestattungsarten (Asche verstreuen, FriedWald/RuheForst usw.) zu schaffen...
Alex Mais
am 16.11.2009 11:23:54 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Ist es. Beide Betreibergesellschaften (sowohl FriedWald als auch RuheForst) haben ein inzwischen recht großes (fast könnte man sagen flächendeckendes) Netz solcher "Bestattungswälder".

Das Asche verstreuen hingegen ist nur bedingt erlaubt. Hir muss (nach NRW-Gesetz) dies zu Lebzeiten vom Verstorbenen selbst verfügt werden. Und dann ist es nur erlaubt auf Friedhögen, die dies zulassen und dafür eigens einen Friedhofsbereich eingerichtet/ausgewiesen haben. Hingegen nicht erlaubt ist eine "Luftbestattung", bei der die Asche aus einem Luftfahrzeug (Flugzeug, Hubschrauber, Ballon...) ausgestreut wird. Dazu müsste man ins Ausland (beipielsweise Spanien)...

Die meisten anderen "innovativen oder neuen Bestattungsarten" sind in der Regel nur übers Ausland möglich, was die Entscheidungen in Deutschland oftmals einschränkt. Anbieter gibt es im Ausland (Spanien, Schweiz usw.) zur Genüge...

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.08 Sekunden
37,162,192 eindeutige Besuche