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Wirtschaft & Finanzen: Welt

Von Börsianern und anderen Primaten – Teil I

Ist der Kapitalismus noch zu retten?

Die so genannten Börsenanalysten, Chefökonomen und sonstigen Kaffeesatzleser haben eins gemeinsam, sie produzieren am laufenden Band Prognosen über Börsenkurse und Wirtschaftsentwicklung. All die so genannten Börsenanalysten, Chefökonomen und sonstigen Kaffeesatzleser haben eins gemeinsam, sie produzieren am laufenden Band Prognosen über Börsenkurse und Wirtschaftsentwicklung, die sie uns als gesicherte Erkenntnisse präsentieren.. Im vergangenen Jahr tendierte die Halbwertzeit ihrer Vorhersagen gegen NULL. Einzig das INISTITUT FÜR MAKROÖKONOMIE UND KONJUNKTURFORSCHUNG der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hatte eine einigermaßen realistische Trefferquote. Aber, als wollten sie das sprichwörtlich gebrannte Kind veralbern, scheuen sie sich keineswegs, weiter mit dem Feuer zu spielen. Sie tun es schon wieder, jonglieren mit Zahlen und die Presse verbreitet sie, als sei nichts geschehen.

Als Sir Francis Bacon Anfang des 17. Jahrhunderts schrieb „Reichtum ist wie Stallmist, er nützt nur, wenn man ihn ausstreut,“ war das noch im Zeitalter des Absolutismus. Die Herrschaft übten weltliche und kirchliche Monarchen aus. Die rechtlosen Untertanen hatten sich an das „cuius regio, eius religio“ (wessen Land, dessen Religion) des Augsburger Religionsfriedens zu halten. Und doch. Der einfache Satz Bacons wirkt heute, in Zeiten turbokapitalister Auswüchse, aktueller denn je. Er könnte gar Pate gestanden haben, als sich selbst bei eingefleischten Protagonisten einer neoliberalen Crash-Ökonomie die Einsicht durchzusetzen begann, dass ohne Staat kein Staat zu machen ist und die keynisianische Wirtschaftspolitik wieder zu Ehren kam. Jener britische Mathematiker und Ökonom John Maynard Keynes, nach dessen Theorien diese Politik benannt ist, hatte formuliert: „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“

Doch betrachten wir zunächst, was sich in den letzten Jahren ereignet hat. Lange Zeit versuchte die pseudoreligiöse neoliberale Ideologie uns vorzugaukeln, ein ungezügelter kapitalistischer Markt und der Abschied vom Sozialstaat seien Garanten für Freiheit und allgemeines Wohlergehen. Armut in der dritten und vierten Welt, gar bei uns selber, oder der Raubbau an den natürlichen Ressourcen des Planeten seien als unvermeidliche Kollateralschäden hinzunehmen. Sogar die Annahme, Geld könne arbeiten und aus sich selbst heraus ökonomische Werte schaffen, hatte ungeahnte Konjunktur. Quasi als ein Perpetuum Mobile, eine erotische Phantasie im Swinger-Club des Finanzkapitals.

So sehr hatten die Anhänger dieses Religionsersatzes sich in die Vision (Trugbild) des sich selbst reproduzierenden Geldes verliebt, dass Anfang des Jahrhunderts, als die New-Economy-Blase platzte, ein Großteil der Spekulanten noch immer an einen kurzfristig reparablen Betriebsunfall glaubte. Das Entsetzen war um so größer, als all die hochgelobten Zertifikate und Derivate sich als das herausstellten, was sie tatsächlich sind, wertlose Kettenbriefe. Doch anders als sonst bei Kettenbriefen, machen die Verluste nicht vor denen halt, die sie herausgeben. In diesem Fall die Banken. Nicht, dass wir uns allzu große Sorgen machen müssten. Gibt es doch den Staat, der einspringen kann. Plötzlich jedoch gerieten auch vormalige Profiteure ins Friendly Fire des Finanzkapitalismus und mutierten dabei zu Kollateralschäden ihres eigenen Handelns.

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Schlüsselwörter: Prognosen | Börsen | Analysen
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