Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Politische Meinung

Abwrackprämie für Minister

Ein satirischer Nachruf auf Michel Glos

Wenigstens einmal im Leben will ein echter bayrischer – pardon fränkischer - Kerl für Schlagzeilen sorgen. Noch im fortgeschrittenen Alter aushäusig ein Kind zu zeugen, das ist seine Sache nicht, das überlässt er anderen. Und so hat der Michel aus Prichsenstadt eine ganz eine verwegene Idee. Eine richtige politische Schlagzeile soll es, so ein Knaller der Extraklasse. Er, dessen überragenden politischen Fähigkeiten bisher nur in der unterfränkischen Lokalpresse und am heimischen Herd gebührend gewürdigt worden waren, er würde ein Leuchtfeuer an sensationeller Medien-Brillanz abfeuern. Zugegeben, das sagte ihm der Instinkt des in agrarischer Umgebung aufgewachsenen Burschen, seine Stärken lagen nicht so sehr im Speziellen, schon gar nicht in der Wirtschaftspolitik. Des wackeren Müllermeisters Begabung war die eines Generalisten, wie einst beim Mentor der Kanzlerin. Dass er von missgünstigen Neidern genau deswegen als Universaldilettant mit Kreuzworträtselbildung geschmäht wurde, prallte an Michel ab. Einfach so.

Schließlich, war er der Minister und nicht die ungehobelten Bande von Besserwissern. Als im November 2005 nach der Absage Stoibers, der lieber im Münchner Hauptbahnhof ins Flugzeug einsteigen wollte und etwas später Europa äähntbürokratisieren durfte, wurde das Anforderungsprofil an einen Wirtschaftsminister noch einmal geschärft. Der CSU musste er angehören, möglichst ein Mittelständler sein und nicht all zu schlau. Und als man in den Lostopf schaute, war nur noch einer drin, Michel Glos. Seither darf er den Frühstücksdirektor des Kabinetts geben. Mit wohlwollender Unterstützung der deutschen Unternehmerverbände. Michel, im Umgang mit den Großkopferten zunächst etwas ungelenk, lernte schnell.

Bar jeglicher eigener Kenntnisse verkündete er fortan das, was ihm die aus diversen Unternehmen ausgeliehenen Experten aufgeschrieben hatten. Ging es in den Kabinettssitzungen um komplexe Zusammenhänge, stand ihm der Minister zur Bewährung Seehofer mannhaft zur Seite. Der hatte durch seine Strafversetzung zu den Bauern zwar ein Trauma erlitten, versorgte seinen tapferen CSU-Kumpel jedoch mit allen einschlägigen Spickzetteln. Der Fachmann fürs große Ganze Glos entwickelte alsbald eine gehörige Portion steuerpolitischer Fachkompetenz. So, wie Senator Cato der Ältere im alten Rom in allen Reden mit dem legendären „ceterum censeo“ die Meinung vertrat, dass Karthago zerstört werden müsse, so forderte Glos fortan die Senkung des Spitzensteuersatzes, nicht ohne die Mahnung anzuschließen: Mehr Netto vom Brutto. Mit diesem Pfund konnte er wuchern. Und als beim Berliner Casting nach dem größten politische Talent gefahndet wurde, seit Kaiser Caligula sein Pferd zum Senator ernannt hatte, war Michel gleich in der engeren Wahl.

Eng wurde es erst, als Seehofer das Traumduo des bayrischen Volkstheaters Erwin&Günther beerbte und als Solist die Münchner Bühne betrat. Denn als dessen Nachfolgerin den Kabinettstisch mit ihrer Anwesenheit dekorativ schmückte, blieben die geliebten Spickzettel plötzlich aus. Als dann noch die Finanzkrise in Deutschland Einzug hielt, versuchte es Michel zunächst mit den Sprüchen der Ackermannschen Glückskekse, ließ sich gar das Buch des Erfinders der Bierdeckel-Steuererklärung ins Fränkische übersetzen. Doch die vermeintlich ewigen Wahrheiten des überlegenen Kapitalismus brachten nicht den erhofften Trost fürs Wahl- wie Parteivolk. Da holte der gemobbte Michel zum ultimativen Schlag aus. Er wandte sich an KILLT AM SONNTAG und bot seinen Rücktritt an. Und was dann passiert, erleben wir gerade jetzt.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Glos | CSU
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

am 10.02.2009 05:24:22 (217.83.99.xxx) Link Kommentar melden
Die Idee finde ich super. Statt dem KFZ-Brief müssen die Ausweispapiere und Führerschein abgeben, erhalten monatlich Hartz IV, Pension und Privatvermögen wird komplett eingezogen, veräußert und dann in die Abbezahlung der Staatsschulden gesteckt.
;-)
PS. Nächste Woche kommt eine Satire unter dem Titel: Kleidersammlung für Guido?

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
40,090,725 eindeutige Besuche