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Sonstiges: Kultur & Religion

Zeugen Jehovas und Neuapostolische Kirche: Irgendwann kommt der reiche Onkel

„Die machen einfach weiter“, hat der evangelische Sektenexperte Kurt Hutten bereits 1960 festgestellt. Damit meinte er die Neuapostolische Kirche, die am 6. Juli 1960 Abschied nehmen musste von einem Präsidenten, der fast neun Jahre lang öffentlich behauptet hatte, er werde nicht sterben, weil Jesus zu seinen Lebzeiten wieder komme. Der bereits Mitte der 1950er-Jahre vorgesehene Nachfolger trat binnen 24 Stunden sein Amt an und hielt die Behauptung seines Vorgängers unter seinem Namen wach. Selbstmorde wurden verschwiegen, um am Leben gebliebene Verzweifelte kümmerten sich die evangelische Kirche und andere Organsiationen. 15 Jahre lang war dieser Präsident im Amt. Dann trat er „aus mehreren Gründen“ zurück. „Die machen einfach weiter“, galt auch anschließend, wie in jenem Jahr ebenfalls für die Zeugen Jehovas. Das Ende dieser und der Beginn einer neuen Welt war auch für sie gerade wieder einmal ausgefallen. Selbstmorde wurden verschwiegen, um am Leben gebliebene Verzweifelte kümmerten sich die evangelische Kirche und andere Organisationen.

Verblüffend ist das schon: Zwei Glaubensgemeinschaften, die davon ausgehen, dass sie auf der sicheren Seite sind, sobald über diese Erde Katastrophen ungeahnten Ausmaßes hereinbrechen, wobei sie die Johannes-Offenbarung dermaßen missverstehen, dass man mit einer Analyse Bibliotheken füllen könnte, erleben 1975 - also im gleichen Jahr - das nächste Desaster, weil Katastrophen ausbleiben.

Dennoch existieren die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas auch heute noch. In der einen Glaubensgemeinschaft ist das Durcheinander inzwischen so groß, dass sie nicht einmal mehr pünktlich ein Büchlein herausgeben kann, in dem die wichtigsten Glaubensfragen beantwortet werden, in der anderen Glaubensgemeinschaft sind Grundsatzdiskussionen bis heute undenkbar.

Warum eigentlich verlieren solche Gruppen nicht auch intern irgendwann jede Glaubwürdigkeit? Die Antwort ist einfach: Um Glaubwürdigkeit geht es den meisten Mitgliedern gar nicht. Sie verhalten sich wie Kinder, die zwar wissen, dass der reiche Onkel nicht gern verraten würde, wie er reich geworden ist, aber Geschenke bringt er demnächst mit, sagen die Eltern.

Dazu gehört: Der reiche Onkel ist auch ein Erwachsener, also: eine Autorität für Kinder bis zu einem gewissen Alter, aus dem viele Mitglieder besagter Glaubensgemeinschaften geistig nie herauskommen. Sie leiden unter einer lebenslangen Denk-Blockade und schützen sich mit ihr.

Diese Kontrolle des eigenen Bewusstseins ist Kennzeichen beider Glaubensgemeinschaften. Dafür gibt es vorgetanzte Argumentationsmuster. Eins sieht so aus: Uns gibt es schon lange, das ist ein Zeichen für den Segen Gottes. Darüber müssten Neuapostolische und Zeugen Jehovas nur eine Minute nachdenken - und schon wäre dieses Muster hin. Denn: Beide Glaubensgemeinschaften sind seit Beginn ihrer Existenz von einem schnellen Ende dieser Welt ausgegangen, Bestand von langer Dauer gehört also gar nicht zu den Überzeugungen dieser beiden Gruppen.

500 000 Menschen in Deutschland leben so - und wollen ihren Kindern beibringen und beibringen lassen, auch so zu leben. Eins kommt gar nicht in Frage: Wie in dem Film „Club der toten Dichter“ auf den Tisch steigen und so den Blickwinkel ändern. Das wäre für beide Glaubensgemeinschaften dermaßen gefährlich, dass es ihr Ende bedeuten würde. Hinzu kommt: Für viele verbietet sich dergleichen von selbst. Das ist der Kitt, der den totalen Zusammenbruch solcher Gruppen verhindert.

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Schlüsselwörter: Zeugen Jehovas | Neuapostolische Kirche | Denkblockade | Kritik | Club der toten Dichter
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