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Politik: Politische Meinung

Déjà-vu-zeit: Was immer bleibt wie es war 1933/2009

Zeitungszeugen aus den Jahren 1933 sind eine Fundgrube, wenn man sie einmal auf ihren Bezug zum hier und jetzt analysiert um einmal zu schauen, was sich alles nicht geändert hat und auch schon damals war wie heute, und es macht Spaß aufzudecken, was es so an Kuriositäten und Merkwürdigkeiten gab und gibt, und was sich zum Entsetzen bis heute nicht geändert hat.

Damals wurde bereits von Krankenversicherungen zur Vorsorge aufgerufen mit dem Hinweis, die Kassen trügen die Kosten. Im erwähnten Fall handelt es sich um Herzkrankheitsvorsorge, ein Thema, das auch heute noch so aktuell ist wie damals, denn heute wie damals sterben sehr viele Menschen an Herz- Kreislauferkrankungen.

Sehr bedauerlich ist auch einen Bericht aus den Kolonien zu lesen, in dem es um die schlechte Behandlung und Bezahlung von Arbeitern in Minen geht, und bis heute hat sich daran ja wohl kaum etwas geändert, was verstört, denn wir haben seit dem Bericht von 1933 immerhin 76 Jahre zurückgelegt, wir hatten 76 Jahre Zeit, das Leben der Menschen in Afrika erträglicher zu machen, und doch hat sich nichts geändert, das sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Heute finden Minenarbeiter in Afrika ohnehin wenig Aufmerksamkeit in der Tagespresse, es sei denn, irgendein Grubenunglück passierte. Heute wird über solche Themen allenfalls im Fernsehen im Auslandsjournal berichtet, in der Tagespresse finden solche Berichte aber kaum statt. Da waren die Zeitungen damals denen von heute um einiges voraus!

Korruption und Steuerverschwendung hat es auch 1933 bereits gegeben, wie ein Bericht zeigt. Aufgedeckt worden war, dass Politiker aus Ungarn ein königlich-ungarisches Bordell in Zürich unterhielten, in das Sexreisen gemacht wurden, auf Steuerkosten, versteht sich. Das erinnert an Bestechungsskandale aus unserer Zeit bei Gewerkschaften und Betriebsräten.

Der ADAC hat schon damals Autotests und Rallyes durchgeführt, nur welcher Arbeiter konnte sich damals ein Auto oder Motorrad leisten? Es erinnert sehr an die heutige Zeitung des ADAC, in der meist Kraftfahrzeuge der gehobenen Klassen siegreich sind und vorgestellt werden, an die Superteuer- Reisen, die der normale Bundesbürger sich niemals leisten kann. Der Testbericht also ist ebenso verfehlt in einer damaligen Tageszeitung wie heute das Medium, das der ADAC an seine Mitglieder herausgibt, dass aber für Durchschnittsbürger ein wunderschönes Märchenbuch einer anderen Welt bleibt.

Eine Grippewelle tobt durch Deutschland im Januar 1933, sie tobt auch dieses Jahr, in allen vorangegangen Jahren auch, man hat also nach wie vor nicht gegen alles ein Heilmittel und einen Impfstoff gefunden. Gegen Diphterie gab es Reihenimpfungen, vom Pasteur Institut entwickelt, damals noch mit Impftoten, inzwischen ist das Risiko gegen Null gesunken.

Damals wie heute wurden Menschen zum Austragen von Zeitungen gesucht. Was heute auch oft vor kommt, nämlich die Nichtrücksendung von Bewerbungsunterlagen wir in der Zeitung angemahnt, das sei eine Pflicht des Arbeitgebers. Schon damals hat es Bewerbungsfotos gegeben, geht daraus hervor, und natürlich werden diese etwas teurer gewesen sein als heute. Wer damals solche unterlagen dann nicht zurückerhielt, dem hat das vermutlich finanziell etwas mehr weh getan als heute, aber auch gehört wenigstens eine Zu- oder Absage an den Bewerber zum guten Ton.

Computer hat es damals nicht gegeben, dafür finden sich unzählige Anbieter von Schreibmaschinen in den Kleinanzeigen der Zeitungen. Also auch damals hat man geworben, wenn man es sich leisten konnte. Im Angebot unter Vermietungen findet sich ein Zimmer mit, man mag es nicht glauben, eigenem Telefon, was sicherlich zur damaligen Zeit eine Seltenheit gewesen sein mag. Auffällig an allen Anzeigen ist, die Anbieter geben meist die komplette Anschrift an, also kein Postfach, kein Telefon, was das Zimmer umso wertvoller erscheinen lässt.

Im Radio gibt es eine Diskussion unter der Fragestellung: „Wird es im Jahr 2000 noch Museen geben?“, ja, es gibt sie noch, heute fragen wir uns, wann Bücher in Druckform nicht mehr aufgelegt werden. Also damals wie heute Fragen, die Kultur betreffend, wenn man das so nennen darf.

Geworben wird auch für Die Grüne Woche, die es ja auch heute gibt und für Tabakwaren und Bier. Die Börse bekommt fast eine ganze Seite eingeräumt, hier stehen dann auch die Großhandelspreise von den Märkten der Stadt für Lebensmittel wie Reis für die Großeinkäufer. Auch eine Kfz-steuer und eine Steuer auf Treibstoffe hat es damals schon gegeben, wie man erfährt, also auch damals hat der Staat schon an so etwas verdient, es dürfte aber eher die reicheren Bürger betroffen haben und hat sich vermutlich eher nicht für die normalen Arbeitnehmer bemerkbar gemacht, denn meist ging es bei Stellenausschreibungen eher um den Besitz eines Fahrrades, dessen Benutzung ja eher zur Gesundheit als zur Steuerbelastung beiträgt.

Auch Insolvenzen gab es damals wie heute, und damals wie heute zeigte man sich sehr verwundert, wenn so etwas passierte, als habe es sich nicht längerfristig abgezeichnet. Kein Unterschied also zu heutigen Reaktionen. Angeprangert werden schlechte Arbeitsbedingungen und unzureichender Arbeitnehmerschutz, Dinge die heute als Schutzvorschriften in Betrieben aushängen. Damals ging es um unzureichende Bekleidung, die wenig Schutz boten, weshalb es oft zu Verletzungen gekommen war. Damals wie heute ging es im Januar in den Zeitungen um Berichte über Tarifverhandlungen und Löhne.

An den Grenzen schlug man sich mit Schmugglern herum, heute wird anders geschmuggelt, aber es gab Schmuggel damals eben auch.

Über den Presseball wird ausführlich berichtet, und damals wie heute gibt es Stimmen, die davon nicht begeistert sind, eine Zeitung stellt zum Beispiel Fotos zweier Damen in Abendtoilette dem Bild einer Hausfrau gegenüber, zeigt ein Presseballsofa im Gegenteil zu einer Durchschnittsküche, und es ist ebenso unwirklich wie wenn man heute Presseballfotos und Fotos von Menschen die in afrikanischen Vorstadtslums hausen vergleichen würde. Ein krasser Wohlstands- und Armutsunterschied, damals wie heute.

Zuletzt das traurigste von diesem Tag, nämlich die Erkenntnis, dass jede Zeit ihren Bin Laden hat. Was heute Videobotschaften sind die uns erreichen waren im Januar 1933 die Veröffentlichungen Goebbels in den Tageszeitungen. Man fragt sich, ob Bin Laden einen Lehrmeister hatte, wenn man liest, was abgedruckt werden durfte und man fragt sich auch, ob die damalige Presse nicht einen Anstandskodex besessen hat.

Man stellt auch fest, dass eigentlich jeder der an diesem Tag die Zeitung gelesen hat hätte erkennen müssen, was Deutschland und der Welt drohte, und zumindest im Ausland hätte man darauf gezielt reagieren müssen. Es wurde zugelassen, dass Goebbels schrieb-Zitat: „Wir wissen nicht, ob man jetzt wieder auf den Ausweg verfallen wird, Hitler und seiner Bewegung noch einmal einen neuen Kanzler entgegenzustellen. Sollte das der Fall sein, können wir nur resigniert zur Antwort geben: “Der nächste Herr bitte!“ Nur mit einem Unterschied gegen die bisherigen Kanzler, die wir zum Sturz brachten: bei Brüning brauchten wir zwei Jahre, um ihn zu fällen, bei Papen genügten fünf Monate, und bei Schleicher hatten wir nicht einmal zwei Monate nötig. Würde ein anderer als Hitler ernannt, er wäre vermutlich in knapper Monatsfrist ein toter Mann…“

Wer damals lesen konnte, egal wo auf der Welt, er war gewarnt und es hätte viel Leid verhindert werden können, wenn die Welt schon an diesem Tag sich darauf eingerichtet hätte, dem entgegen zu wirken, was nun folgen sollte.

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Schlüsselwörter: Krankenkassen | Gewerkschaft | Zeitungen | Stellenanzeigen | Werbung
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