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Politik: Welt

Neulich bei Sabine…

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: TheRealbook

Der Tod in Afghanistan… Einem grimmigen Erdhörnchen nicht unähnlich, kauert der Overall-Orientspezialist Peter Scholl-Latour neben seinem Kritiker, der ihm die lebenslang gehamsterten Afghanistan-Nüsschen streitig machen will. Der Militärexperte Wilfried von Bredow haut hin: “Man kann so viel über Afghanistan wissen, dass man am Ende gar nichts mehr weiß….”, philosophiert der stolze Herr Richtung Hörnchen. Dieses blickt nun noch erboster drein und wehrt sich nuschelnd. Ein bisschen Redespucke soll den Angreifer rachetreffen. Deutlicheres ist Scholl-Latour’scher Defensiv-Eloquenz nicht mehr zu entnehmen. La Scholl im Groll.

“In Kunduz leben die Pashtunen…”, erzählt Orient-Wesir Scholl-Latour hybrid, (der bei keinem O-Thema fehlen darf), den geduldigen Zuschauern. 1001 Nacht. In Wahrheit ist nichts Pashtunisch im hohen Norden, wo nicht nur der Strom aus Tadschikistan kommt. Uzbeken und Tadschiken beleben die ärmste Region Afghanistans. Kein Trinkwasser, keine Straßen, keine Energie, abgesehen von der hohen Radioktivität, die aus abgworfenen US-Waffen strahlt. Bombenkratergrüße im Urin. Vier- bis zehnmal höher soll die Uran-Verstrahlungsquote bei den Einwohnern von Kunduz sein.

Das Einser-Thema nimmt seinen Lauf. Soll die Bundeswehr, soll sie nicht? Aus Afghanistan abziehen. Osgar Lafontaine ist erregt. Er hat einen Aufhänger, ein schmissiges Schlagwort, eine deftige Phrase: Bundeswehr und Terrorismus! Nein - nicht Talibanischer Terrorismus! Der eigene, der deutsche Wehr-Terrorismus-Charakter ist’s, der Osgar so erzürnt. Hebt er doch glatt an, die deutschen Bundeswehrsoldaten wegen “Beteiligung an terroristischen Aktionen” zu beschuldigen - und wird prompt niedergebügelt. Tornado gegen links.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung, den jüngsten Ereignissen gemäß eher in seelsorgerischer Laune, weil deutsche ISAF-Soldaten im Zuge eines Selbstmordattentates den Tod fanden, verteidigt die Arbeit der Bundeswehr in Kunduz und verweist auf die großartigen Leistungen, welche die deutsche Bundeswehr in der Region erbringt. Osgar will davon nichts wissen, denn er liebt seine Phrase und gibt den tönenden Postillion d’Amour. Mit dem Tornado-Einsatz avancierten deutsche Soldaten zu Terroristen. Punkt. Osgar mag es so. Die Deutschen schießen! Wenn auch nur Bilder.

Kein Wort über die eskalierende Bedrohung seitens der talibanischen und Al Qaidischen Schlächter, diesen gehirngewaschenen Krüppeln eines supra-religiösen Mondzeitalters, in welchem kein menschliches Leben mehr gedeihen darf? In Afghanistan werden Frauen und Kinder längst nicht mehr groß. Die Frauen- und Kindersterblichkeit hat enorme Ausmaße angenommen. Der Schutz des Lebens ist diesen braunzahnigen Killermonstern nämlich keine Agenda, vielmehr die Errichtung eines Todesreiches, bestehend ausschließlich aus Männern, die gut und gern auf alles schießen. Sie schießen auch alle Schulen und Lehrer nieder, denn es gibt für sie nur eine Schule: Die Schule Allah’s, und diese findet nur im Jenseits statt..

Die Deutschen bauen Schulen wieder auf. Der deutsche Entwicklungsdienst entsendet Bildungexperten, die Lehrer ausbilden, Schulbehörden beraten und diese beim Aufbau eines Bildungssystems unterstützen. Kinder können wieder Lesen und Schreiben lernen. Sie werden dabei auch beschützt. Von den Deutschen in Kunduz.

“Diplomatentreffs haben Charme, aus der Bevölkerung aber spricht nur Hunger und Angst”

Hat Peter Scholl-Latour denn jemals Kontakt zur “Bevölkerung” in Afghanistan aufgenommen? Mit einem minengeschädigten Einbeinigen gesprochen? Oder mit einer Burka-Frau? Einem geschändeten Waisen Patenschaft in Aussicht gestellt? Oder war ihm das Dinner mit den diversen Botschaftern in Kabul vielleicht doch angenehmer? Diplomatentreffs haben Charme, aus der Bevölkerung aber spricht nur Hunger und Angst. Peter in einer abgewrackten Krankenstation, wo blutjunge Mütter dem Tuberkulosetod entgegensiechen? Undenkbar. Peter im Ministerium, Peter in der Residenz, Peter beim König. Peter im geschützen Konvoi und dann beim orientalischen Empfang. Latour auf Tour. Sehr denkbar.

Wäre man nicht tausendfach gewarnt vor Grüner Realitätsfeindlichkeit, könnte man der kräftigen und nachvollziehbaren Argumentation des Stv. Grünen-Vorsitzenden Jürgen Trittin an diesem Abend einiges abgewinnen. Er gibt Osgar ordentlich heraus und macht ihn darauf aufmerksam, dass der Krieg keineswegs zu Ende wäre, zöge die Bundeswehr aus Afghanistan ab. Im Gegenteil. Das Fiasko nähme erst recht seinen letalen Lauf - mit dem Ergebnis, ein ganzes Land samt Bevölkerung restlos von der Karte zu löschen. Osgar und Peter wollen das nicht einsehen und grimmen. Zugunsten ihrer Phrasen. Sie verteidigen etwas, wo sie die Orientierung verloren haben. Huldigung des Leerlaufs.

Der Delegat der SPD, Niels Annen vom Auswärtigen Ausschuss, der im Bundestag für den Tornado-Einsatz gestimmt hat, erinnert daran, dass in Afghanistan ein schwieriger und lebenswichtiger Prozess unterstützt wird. Ein Prozess, der letztlich dazu führen soll, der Afghanischen Bevölkerung wieder eine stabile Lebensbasis zu schaffen. Wenngleich man derzeit eher an die Unmöglichkeit eines solchen Erwartungsziels glauben möchte, sollte man doch in Erwägung ziehen, was denn wäre, wenn keine friedensichernden Organisationen anwesend sein würden. Vor allem dann, wenn ein Frieden noch nicht einmal im Ansatz hergestellt ist. Und das notorisch schlechte Benehmen der Amerikaner im krisengeschüttelten Ausland ist einem Afghanischen Frieden ebenso nicht zuträglich.

Täglich wird das Existenzrecht der Afghanischen Bevölkerung und des Afghanischen Staates schwer attackiert und beschädigt. Terrorismus als Lebensbegleitung. Tod - eine Zukunft für Afghanische Kinder? Taliban sind die Schächter Afghanistans. Ihnen Land und Leute einfach zu überlassen, wäre finsterster Zynismus.

Kontakt mit der Bevölkerung ist lebenswichtig, sowohl für die Afghanen als auch für die Bundeswehrsoldaten. Ihre Agenda steht auf einem gemeinsamen Nenner. Die Deutschen haben sich in Kunduz einen guten Ruf erworben und sind nicht zuletzt Hoffnungsträger, selbst wenn gegenteilig gesinnte Phrasenfetischisten aus dem deutschen Sicherheitsraum das so nicht wahrhaben möchten. Sie wollen immer einen Schuldigen, eine Heilige Schrei-Messe zu Ehren ihres vollmundigen Dogmas, dem mit Gestenritualen medienwirksam gehuldigt wird. Ihnen sei’s gesagt, dass ihre “Religiosität” inzwischen derartig realtitätsresistent ist und sie daher gut daran täten, in Hinkunft nur mehr Latein zu sprechen, zu schreien und zu nuscheln. Damit sie sich wenigstens im sprachlichen Ausdruck von anderen Glaubensfanatikern unterscheiden. Falls sie das möchten.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor TheRealbook Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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