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Second life, second chance, second failure

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Josef Bordat

Ist der Traum geplatzt?
Ist der Traum geplatzt?
Es gibt wohl kaum einen Mythos, der so faszinierend ist wie der einer “zweiten Schöpfung” - einer zweiten Chance für die Menschheit. Motto: Beim nächsten Mal wird alles anders, besser, schöner. Fast alle Kulturen kennen “Schlussstrich-Erzählungen”, Berichte über den Untergang der alten zugunsten einer neuen, moralisch geläuterten Welt. Die Geschichte von der Sintflut, der nur von Gott erwählte Wenige entkommen, ist dabei nur ein in unseren Breiten besonderes vertrautes Beispiel. Andere Religionen und Kulturen kennen ganz Ähnliches.

Auf der Suche nach dem Guten

In gewisser Weise zählen auch Utopien zu solchen Mythen der drastischen Veränderung. Man macht sich auf die Suche nach dem noch nicht gefundenen Guten, dessen Spur man aber entdeckt zu haben glaubt. Häufig führt diese Spur weg. Weit weg. Das gilt für die Klassiker des Genre wie auch für die neusten Ideen: Morus’ “Utopia” und Bacons “Neu-Atlantis” liegen irgendwo auf Inseln im fernen Ozean, weit weg von der britischen Heimatinsel, die wirtschaftlich und wissenschaftlich zu reformieren ihr Anlegen war, während die ersehnte technologische Lösung grundlegender Menschheitsprobleme, die eher als Nebensache an Bord des “Raumschiff Enterprise” durch das All reist (Nahrungsmittelreplikatoren!), räumlich und zeitlich noch weiter weggerückt wird.

Nur einen Mouseclick entfernt…

Nun gibt es das Utopia für alle, das einerseits, das ist notwendig, ganz weit weg vom Alltag liegt und andererseits, das ist praktisch, doch nur einen Mouseclick entfernt ist. “Second life“. Zugegeben, ich kenne “Second life” nicht wirklich. Ich mache dort nicht mit, weil mir mein “First life” dazu keine Zeit lässt. Ich kenne “Second life” nur aus Berichten von (zumeist jüngeren) Bekannten. Dieses virtuelle Mini-Utopia – nochmals: Zugegeben – es übt eine gewisse Faszination auf mich aus. Zu schön ist diese Welt, die dennoch ein Abbild der Wirklichkeit bleibt. Alles ganz realistisch und doch ein Traum. Und “ich” mittendrin, mein selbstgezimmertes Wunsch-”Ich”. Und wir alle auf dem Weg der Besserung.

Der Traum ist geplatzt

Der Traum vom Besseren, den man in der Tradition der Veränderungsmythen mit “Second life” hätte zu träumen beginnen können, ist zerplatzt. Offenbar setzt sich die brutale Realität gnadenlos in der virtuellen Welt durch. Eigentlich auch kein Wunder, da die Spieler ja auch unter der Maske der anderen Identität dieselben Menschen bleiben und so das Elend des “First life” in das Paradies des “Second life” einschleppen wie eine Grippe. So überrascht denn auch die Schlagzeile, dass sich im “Second life” Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen zutragen, nicht wirklich, schließlich tun sie das auch im “First life”. Und hier wie dort gehören sie bestraft.

Eine bessere Welt - unmöglich?

Neben den straf- und medienrechtlichen Erwägungen, die für die Rechtswissenschaft interessant sind, weil hier mit Entscheidungen zu rechnen ist, die die Grenzen unseres bisherigen Verständnisses einer Straftat sprengen könnten, dürften die aktuellen Enthüllungen um “Second life” für alle Utopie-Theoretiker von Bedeutung sein. Mein vorläufiges Fazit lautet jedenfalls: Eine bessere Welt ist nicht möglich. Jedenfalls nicht mit uns.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Josef Bordat Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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Kommentare

Kabutoo
am 08.05.2007 15:19:56 (217.193.148.xxx) Link Kommentar melden
serche solution ...
...
...
found 1 solution:
ereasse all humans

Shock Ja find da Matrix sehr gut: "In der ersten Matrix gabs keine Gewalt usw. kurz: Es war ein desaster."

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