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Sport: Sonstiges

Doping- schnelle einfache Lösung

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: torquato

Doping eine Frage der Ehre
Doping eine Frage der Ehre
Am Ende haben alle gewonnen und gut verdient. Verloren haben die vielen Zuschauer und treuen Anhänger eines sportlich fairen Wettkampfes. Die jüngsten Enthüllungen des ehemaligen Masseurs Jef D’hont im Spiegel und sein nun veröffentlichtes Buch “Erinnerungen eines Radfahrer-Pflegers” über ein angebliches Dopingsystem in den 90er Jahren beim deutschen Team Telekom bringen es zutage.

Gewonnen hat zum Beispiel ein Radfahrer mit “dickem Blut” (aktueller Spiegel-Titel) und einem krankhaft hohen Hämatokritwert (Zahl der roten Blutkörper, welche die Ausdauerfähigkeit erhöhen) und sein Masseur, der einen ordentlichen Teil der Siegprämie beim größten Radrennen der Welt einstreichen konnte. Der Rennfahrer ist inzwischen weg von der Blutbank und leitet ein eigenes Radteam. Der Masseur verdient mit seinen Büchern Geld.

The Winner is…

Jedoch wurden all die Blutverdünner und Muskelaufbauer teuer bezahlt, nicht nur mit der Gefährdung der Gesundheit, sondern mit echtem Geld bei den Herstellern. Die Pharmaindustrie verdient inzwischen mit dem zweckfremden Einsatz ihrer Medikamente weit mehr als bei den eigentlichen therapeutischen Maßnahmen. Genau hier läge eine simple Lösung des Problems der Nachweisbarkeit: Die Präparate werden durch einfache chemische Kennzeichnung für jedes Labor nachweisbar gemacht. Vorbei wäre der ganze Spuk von wegen “zwölf Tassen Kaffee” bei einer Schwimmerin und “ein Glas Whisky” bei einem Radfahrer. Jedoch ist diese einfache Lösung genau so unwahrscheinlich wie das öffentliche Eingeständnis eines überführten Radfahrers. Es geht um Geld, um viel Geld.

Die Medien machen per Werbeeinnahmen ein gutes Geschäft, besonders während der Spritzenkonjunktur mit den “phantastischen Duellen”, nein nicht Jan Ullrich gegen Ivan Basso oder Floyd Landis, sondern Pfizer gegen Novartis, so könnte man sagen. Doch zu diesem Duell der Radsportler sollte es bei der vorjährigen Tour de France garnicht kommen. Die beiden erstgenannten wurden bereits vor der Rundfahrt wegen Dopingverdachts ausgeschlossen. Letzterer wurde nach seinem Gesamtsieg positiv getestet und es ist wahrscheinlich, dass ihm der Titel im Nachhinein wieder aberkannt werden könnte (übrigens erstmalig in der Geschichte der Tour). Noch kämpft er um seine Rehabilitation.

Masseur Jef D´hont wurde wegen Medikamentenhandel verurteilt. Die beiden namentlich von D’hont benannten Freiburger Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid, welche jahrelang im Team Telekom für die medizinische Versorgung verantwortlich waren, haben nun eine tolle Chance, sich zu verteidigen. Auch wieder ganz einfach: Anzeige wegen Verleumdung. Passiert ist dergleichen nun noch nicht. Weder der Arbeitgeber, die Freiburger Uniklinik, der ehemalige Arbeitgeber Deutsche Telekom, noch die betroffenen Ärzte verteidigen sich. Ganz zu schweigen von den ehemaligen Sp(r)itzensportlern, bisher keine Anzeige.

Eine Frage der Ethik

Einer hat allerdings nicht lange gewartet, schon am Montag, dem Tag der Vorveröffentlichung im “Spiegel” hat der unermüdliche Kämpfer gegen das Doping, Werner Franke, Anzeige erstattet. Unter dem Aktenzeichen 610Js12568/07 wird nun auf Frankes „Hinweise zur Ermittlung von Straftaten im Radsport“ durch die Staatsanwaltschaft Freiburg gegen die Mannschaftsärzte des früheren Telekom-Radrennstalls ermittelt.

Die „Gazetta de la Sport“ spricht von mittlerweile 103, statt bisher angenommenen 48 in den Skandal um den spanischen Frauenarzt Fuentes verwickelten Radfahrern. Also stellt sich nicht die Frage: Wer hat gedopt? Sondern: Wer hat nicht gedopt und vor allem warum?

Es gibt mehr Gewinner als Verlierer, wie bei den meisten kriminellen Geschäften. Doch sollte sich hier mal niemand täuschen lassen, denn immer weniger Menschen lassen sich von den sportlichen Ereignissen begeistern und werden damit zu kleinen Gewinnern. Auch eine Lösung.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor torquato Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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