Medien: Sonstiges

Frei und ohne Angst berichten - Der dritte Mai ist Welttag der Pressefreiheit

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Redaktion
03.05.2007 10:39:46 eingesandt von Rene Thurow für OnlineZeitung 24.de

Genau 14 Jahre ist es jetzt her: Auf Vorschlag der UNESCO hat die UN-Generalversammlung 1993 diesen besonderen Tag ins Leben gerufen. Erinnert werden soll an die “Erklärung von Windhoek“, die 1991 mit dem Ziel der Förderung einer unabhängigen und pluralistischen Presse in Windhoek/Namibia verabschiedet wurde.

Doch auch die Verletzung von Informations- und Freiheitsrechten in vielen Staaten der Welt sollen durch besonderes Gedenken jedes Jahr aufs Neue ins Bewusstsein rücken. Die Botschaft des drittens Mai ist eindeutig: „Jeder Journalist muss überall auf der Welt das Recht haben, frei und ohne Angst berichten zu können. Denn eine Beschränkung der Pressefreiheit ist immer auch eine Beschränkung der Demokratie.“

Doch Verletzungen der Pressefreiheit nehmen immer mehr zu und manifestieren sich auf verschiedenste Arten

Die sicherlich verheerendsten Konsequenzen sind jene, die in Angriffe auf Leib und Leben von Journalisten münden. “Diese Zwischenfälle ereignen sich nicht nur auf Kriegsschauplätzen, sondern auch bei der Berichterstattung über Korruption, Armut und Machtmissbrauch”, betonte auch der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem Communiqué. “Es ist alarmierend zu sehen, dass Journalisten selber zur Zielscheibe werden, währenddem sie Informationen zu der Not anderer Leute liefern”, erklärt er weiter. Laut Reporter ohne Grenzen, wurden allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres 29 journalistisch tätige Menschen getötet, sowie 129 inhaftiert.

Koïchiro Matsuura, UNESCO Generaldirektor, spricht anlässlich des Tags der Pressefreiheit von einer dramatischen Eskalation der Gewalt gegen Journalisten innerhalb der letzten Dekade. Dies ist natürlich insbesondere in Konfliktsituationen der Fall, speziell der Irak ist ein tödliches Feld: Im Verlauf des letzten Jahres starben dort 69 Journalisten, seit Beginn des Krieges im Jahr 2003 – ganze 170. Doch auch außerhalb der Konfliktzonen gibt es derartig grausame Angriffe. Der Tod der russischen Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober letzten Jahres ist dafür ein beredtes Zeichen. Und auch in dem der neu entstehenden Genre der Online-Journalismus gibt es Zahlen, die keine guten Zeichen senden: Reporter ohne Grenzen zählt für dieses Jahr 65 solcher „Online Dissidenten“ – was allerdings ein äußerst schwammiger Begriff ist, so fallen sowohl chinesische Falung Gong Aktivisten, die sich per Computer zu ihrer Situation äußerten, in diese Kategorie wie auch Josh Wolf, ein US-amerikanischer Blogger, der erst vor einem Monat nach 224 Tagen aus der Haft entlassen wurde, da er seine Quellen nicht bekannt geben wollte.

Pressefreiheit bedeutet nicht nur Freiheit von tödlichen Attacken oder von der Bedrohung durch Gefängnisstrafen

Sie bedeutet eben auch Freiheit vor der Einflussnahme staatlicher Interessen. Diesbezüglich sieht es auch in der Bundesrepublik nicht sonderlich gut aus. Illegale Überwachungen von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst (BND) und Redaktionsdurchsuchungen haben dazu geführt, dass Deutschland im Ranking der Pressefreiheit auf den 23. Platz abgerutscht ist, noch hinter Trinidad und Tobago und gleichauf mit dem Benin.

Die erst kürzlich beschlossene Vorratsdatenspeicherung und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Telefon- und Emailüberwachung wird ohne Zweifel dafür sorgen, dass sich dieser Rang in naher Zukunft nicht verbessern wird. Abgesehen von diesen direkten Beeinflussungen und Kontrollversuchen der freien Presse, muss sich an einem solchen Tag natürlich auch die Frage nach indirekter ökonomischer Einflussnahme stellen. In Zeiten der totalen wirtschaftlichen Verwertbarkeit ist kommerzieller Druck, ob direkt, durch Sponsoren und Werbekunden, oder indirekt, durch das Argument der Verkaufbarkeit und damit der Verknüpfung an zeitgeistnahe Themen und Interpretationen bestimmter Themen, ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Frage der Freiheit der Presse.

“Es war noch nie gefährlicher, Journalist zu sein.”

Angesichts von insgesamt mehr als 150 getöteten Journalisten im letzten Jahr und den obig genannten Zahlen von 2007, hat die UNESCO in diesem Jahr die Sicherheit der schreibenden Zunft in den Mittelpunkt gerückt. UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura findet hierfür Worte, die aufhorchen lassen: “Es war noch nie gefährlicher, ein Journalist zu sein.” Aufmerksamkeit und Sensibilisierung – auch der breiten Masse – scheint geboten. Eine eigene Website der UNESCO zu diesem Tag bietet deshalb regelmäßig Neuheiten und Informationen.

(ms/no)

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Andreas Haller Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz