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Politik: Politische Meinung

Eine Frauengeneration duckt sich weg

Wenn man sich am Ende des ersten Jahrzehnts dieses neuen Jahrtausends einmal anschaut, was der lebenslange Kampf der Alice Schwarzer gebracht hat, so muss man ernüchtert feststellen, er wurde nach dem Motto „Sie tanzte nur einen Sommer“ geführt. Alice Schwarzer hat mit ihrem Kampf zwar eine Frauenbewegung in ihrer Generation geführt und dieser Frauengeneration zu ungeahnten Höhenflügen verholfen aber seit dem die alternde Kämpferin sich mehr und mehr zurück gezogen hat ist der Kampf um die Gleichberechtigung aufgegeben worden und so gut wie in Vergessenheit geraten.

Alice Schwarzer beschränkt sich inzwischen mehr auf das Schreiben von Büchern über Frauen und die Teilnahme an Talkshows im Deutschen Fernsehen als auf die Weiterführung dessen, was zu einem Kampf bis an das Lebensende hätte sein müssen. Sie wurde zu ihrer Höchstzeit so populär, dass diese Popularität ihr zu einem wesentlich ruhigeren Leben verholfen hat als ihr Kampf für weitere Verbesserungen es vermutlich gekonnt hätte und auch die Verdienstaussichten an Literatur und Gesprächsrunden im deutschen Fernsehen sind vermutlich attraktiver als der weitere schier aussichtslose Kampf um wirkliche Gleichberechtigung einzufordern.

Seit dem Beginn dieses Jahrtausends hat eine Kehrtwende eingesetzt, die man am deutlichsten in der Parteienlandschaft beobachten kann. In der FDP muss man bekannte Frauen mit der Lupe suchen, ebenso sieht es in der SPD aus, wenn man sich die Ämterverteilung einmal genauer ansieht.

Die Grünen verfügen über einen ungleich höheren Frauenanteil auch in gehobenen Positionen, doch es sind immer dieselben Gesichter die sich dort recht dominant und renitent halten. Das Wegbeißen anderer Frauen scheint zumindest hervorragend zu funktionieren, was ganz sicher nicht im Sinne der Erfinder und Gründer dieser Partei war, denn um solche Dinge auszuschließen und Machterhaltsgier entgegen zu wirken hatten sie das Rotationsprinzip erdacht, welches inzwischen völlig ausgehebelt wurde.

In der SPD sieht es inzwischen ebenso verheerend aus wie in den oben genannten Parteien. Das heißt nicht, dass nicht genügend Frauen in den Parteien vorhanden wären, sondern nur, dass aus schierer Selbstsucht der Weg an die Spitze unmöglich gemacht wird. Es bedeutet dass irgendwann die männliche Garde in einem genialen Schachzug wie im Falle Ypsilanti geschehen, Männer hämisch lachend in parteiinternen Machtkämpfen das zurückerobern, von dem sie überzeugt sind, ein Mann besetze solche Ämter generell besser. Dadurch entmutigt und sich selbst dadurch herabgewürdigt fühlend wagen es Frauen kaum noch sich auf den steinigen Weg in Spitzenfunktionen zu begeben.

In der CDU hat es eine Frau mit Hilfe eines Gönners bis in das Kanzleramt vorzudringen geschafft und sie tut in der Finanzkrise sich selbst den Ast absägen auf dem sie sitzt, einfach durch ihr zögerliches Handeln. Auch andere Frauen haben in dieser Regierungsperiode „Großen Koalition“ wichtige Ämter erhalten, die aber durchaus frauentypisch sind, was gleichsam einer Diskriminierung gleichkommt. Diese Frauen namens Ursula von der Leyen (CDU) und Ulla Schmidt (SPD) besetzen die Ministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Gesundheit.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist mit Annette Schavan (CDU)weiblich besetzt. Ein ebenso frauentypisches Amt nämlich das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz leitet Ilse Aigner (CSU). Brigitte Zypries (SPD) ist eine der wenigen Frauen, die ein nicht Frauentypisches Amt innehaben. Sie ist verantwortliche Bundesministerin der Justiz. Auch Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) darf ein Amt besetzen, das den Verdacht frauentypisch zu sein von sich weist, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die Ämterverteilung in der Koalition scheint also eher ausgeglichen zu sein, auch im Hinblick auf die Parteien, und dennoch ist es bezeichnend, dass Frauen solche Ämter zugestanden werden, die eng mit den Aufgaben von Frauen im Familienleben zu tun haben- Kinderbetreuung, Erziehung, Schule, Pflege kranker Familienangehöriger und älterer Familienmitglieder sowie Küche und die damit verbundene Kochkunst zur Ernährung des Familienverbandes.

Die wirklich wichtigen Aufgaben der Regierung wurden anderen zugeteilt nämlich Männern wie zum Beispiel das Innenministerium, das Außenministerium, die Finanzen oder das Bundesministerium für Verteidigung.

Während die Regierung selbst also wenigstens über einen erträglichen Frauenanteil verfügt auch wenn die Aufgabenverteilung eher typisch ist sieht es in den Parteien ansonsten verheerend aus. Es wird nach außen jedoch dem Wähler und dem Ausland gegenüber ein anderes Bild von der Gleichberechtigung der Frau in der Politik vermittelt, als sie es tatsächlich in der Realität ist, denn schon die Aufgabenverteilung in der Koalition beweist wie diskriminierend diese Ämterverteilung genau genommen ist.

In Zeiten der Krise sind es zuerst wieder Frauen die entlassen werden und schon in normalen Jahren werden sie im Durchschnitt schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Auch im Bereich der Renten und bedingt durch die noch mehrheitlich von ihnen ausgeübte Kinderbetreuung sind sie stark benachteiligt und von einer wirklichen Gleichstellung weit entfernt. Ebenso eine Tatsache durch die man ganz gewollt und unter den Augen einer ganzen Gesellschaft nach wie vor Frauen stark benachteiligt und somit diskriminiert.

Der Kampf der Alice Schwarzer wurde irgendwann auf der Mitte eines begonnenen Weges abgebrochen und ihre Töchter die ihr einst so willig folgten haben ihn nicht weiter geführt. Es wird Zeit für eine neue Alice Schwarzer, die den abgebrochenen Kampf um die Rechte der Frauen wieder aufnimmt, denn er ist noch nicht ausgefochten und es besteht derzeit eher die Gefahr, dass die Uhren rückwärts gedreht und gegen die Rechte der Frauen in der Bundesrepublik Deutschland zu laufen beginnen!

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Schlüsselwörter: Politik | Wirtschaft | Gesellschaft | Diskriminierung | Frauen
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